Die Bedeutung von Mobilität für die Entwicklung von Städten

Verkehr in der Stadt - Dolores Stuttner
Verkehr in der Stadt - Dolores Stuttner
Wie Mobilität und Geschwindigkeit im Verkehr die flächenmäßige Ausbreitung von Siedlungsgefügen beeinflussen.

Bei der Entwicklung von Siedlungen spielen die erreichbaren Geschwindigkeiten im Straßenverkehr und der Mobilitätsfaktor eine wichtige Rolle. Diese beeinflussen nämlich sowohl das Ausmaß als auch die Art der Raumnutzung. Dadurch werden natürlich ebenfalls die Siedlungsstruktur und deren Entwicklung nachhaltig geprägt. Im Großen und Ganzen kann man in jenem Kontext zwei Typen von Städten unterscheiden, welche mit der Zeit entstanden sind und von diesen Faktoren geprägt wurden.

Die Fußgängerstadt der vorindustriellen Zeit

Hierbei handelte es sich um eine Stadtstruktur, welche sich durch eine geringe flächenmäßige Ausdehnung kennzeichnete. Dies lag daran, dass der Mensch in der vorindustriellen Zeit vorwiegend zu Fuß unterwegs war und somit länger brauchte, um eine gewisse Anzahl an Kilometern zu überwinden. Aus diesem Grund wurde die Wohnung oftmals auch als Arbeitsstätte genutzt. Dies machte eine große Ausdehnung der Fläche einer Stadt bisweilen überflüssig. Die größte Bevölkerungsdichte betrug, in der vorindustriellen Zeit, 600 Einwohner pro Hektar. Wie in der heutigen Zeit, produzierten die damaligen Städte nicht ausreichend Nahrung für ihre Einwohner. Aus diesem Grund fungierten die größeren Siedlungen in erster Linie als Marktplatz für das umliegende Land. Der Einzugsbereich war in etwa so groß, dass es ein Bauer an einem Tag schaffen konnte, seine Waren in die Stadt zu bringen und anschließend wieder nach Hause zurückzukehren. Jenes Beispiel zeigt, dass die maximale Größe einer Stadt durch die damalige Transportgeschwindigkeit begrenzt wurde. Die Gestaltung der Wege fiel ebenfalls schmaler aus, da die meisten Besorgungen zu Fuß erledigt wurden und man somit weniger Raum benötigte. In den Inneren Bezirken und Altstädten vieler Siedlungen sind ebenfalls Spuren der vorindustriellen Stadt zu finden.

Die mechanisierte Stadt der Neuzeit

Jener Städtetyp kam vor etwa 200 Jahren erstmals zum Vorschein und ist deshalb verhältnismäßig jung. Wenn man von der "mechanisierten Stadt" spricht, ist in erster Linie die Mechanisierung der Verkehrsmittel gemeint. Diese sorgte nach der industriellen Revolution dafür, dass die Begrenzung der flächenmäßigen Ausdehnung gesprengt wurde. Zur gleichen Zeit veränderte sich durch die Planung breiterer Wege und Straßen auch das Ortsbild. Durch die Zunahme der Verkehrsgeschwindigkeit kam es erstmals zur Bildung von Vorstadtvierteln (engl.: Suburbs), da sich Menschen eine Wohnstätte suchen konnten, die abseits des Arbeitsplatzes lag. Jene Tendenz konnte bereits nach der Einführung der Eisenbahn beobachtet werden. Als Straßenbahnen erstmals zum Vorschein kamen, vergrößerte sich der Radius zusätzlich. Hierbei fungierten vor allem die Stationen derselben als Ausgangspunkte der zukünftigen Siedlungsentwicklung. Nach der Einführung des motorisierten Individualverkehrs (MIV) kam es schließlich zu einer Begünstigung der Zersiedelung. Hierfür sind, auch heute, in erster Linie die hohe Geschwindigkeit sowie die individuelle Verfügbarkeit des PKWs verantwortlich. Auf diese Weise können mittlerweile Räume besiedelt werden, die früher nicht schlecht erreichbar waren und deshalb nicht zur Verfügung standen.

Insgesamt gesehen, kann schließlich gesagt werden, dass die Entwicklung der Mobilität, die flächenmäßige Ausdehnung der Städte massiv beeinflusst hat. In der heutigen Zeit spielt das Verkehrsaufkommen für die Planung von Siedlungsgefügen mehr denn je eine tragende Rolle.

Quelle:

  • Cerwenka, Hauger, Hörl, Klamer. Handbuch der Verkehrssystemplanung. Wien 2007
Dolores Stuttner, Dolores Stuttner

Dolores Stuttner - Ich schlüpfte im Jahr 1986 im schönen Wien aus dem Ei. Ab dem siebten Lebensjahr habe ich die Hobbys Lesen und Lego für ...

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