
- Prypjat 2007 - Carl Montgomery
Der Atomunfall, welcher sich im ukrainischen Kraftwerk Tschernobyl ereignete, ist mittlerweile über 25 Jahre her. Die Auswirkungen desselben erstreckten sich auf den gesamten europäischen Raum und sind, an manchen Orten, noch heute messbar. Am meisten wurde jedoch die Stadt Prypjat in Mitleidenschaft gezogen. Diese musste kurz nach dem GAU vollständig evakuiert werden und ist die nächsten 300 Jahre unbewohnbar. Aus diesem Grund ist Prypjat ein Ort, an welchem der natürliche Verfall einer Stadt studiert werden kann.
Die Struktur der Stadt
Bei Prypjat handelt es sich um eine typisch kommunistische Stadt, die im Jahr 1970 gegründet wurde. Sie sollte den zukünftigen Arbeitern des Atomkraftwerks Tschernobyl als nahe gelegener Wohnsitz dienen. Aus diesem Grund bestand der Großteil der Wohnbevölkerung auch aus Leuten, die im Kraftwerk beschäftigt waren. Die Stadt wurde relativ schnell erbaut, was sich auch an den recht schlicht gehaltenen Geschoßwohnbauten, die über insgesamt 13.414 Wohneinheiten verfügten, ablesen lässt. Prypjat verfügt über fünf Mikrodistrikte, die kreisförmig um das Zentrum herum angelegt worden sind. Dadurch, dass die Stadt in einer kurzen Zeit erbaut wurde und die Priorität beim Errichten möglichst vieler Wohnbauten lag, ist bezüglich der Stadtstruktur eine gewisse Eintönigkeit gegeben. Charakteristisch hierfür sind die mehrgeschossigen Bauwerke, welche auch ein Merkmal kommunistisch geprägter Städte darstellten. Trotzdem verfügte Prypjat über einige Sehenswürdigkeiten. Zu erwähnen ist hierbei insbesondere der Rummelplatz. Dieser wurde allerdings niemals in Betrieb genommen, da sich der Atomunfall vor der Eröffnung desselben ereignete.
Die Folgen des Atomunfalls
Die Atomkatastrophe am 26.04.1986 verseuchte die Stadt Prypjat nachhaltig und machte diese somit unbewohnbar. Nennendwert ist dabei, dass dieser Ort jedoch nicht gewaltsam zerstört, sondern lediglich sich selbst überlassen wurde. Auf diese Weise ist Prypjat dem stetigen Verfall ausgesetzt, welcher auch kontinuierlich beobachtet werden kann. Dadurch, dass die Menschen ihre Heimatstadt fluchtartig verlassen mussten, blieben viele Gebäude im Originalzustand bestehen. Das heutige Stadtbild Prypjats beinhaltet vor allem jene Bauwerke sowie zahlreiche Grünpflanzen, die mittlerweile bis ins Ortszentrum vorgedrungen sind. An manchen Stellen trug die Natur auch zum Aufbrechen des Asphalts bei. Aus diesem Grund sind zahlreiche Zonen der Stadt durch hoch gewachsene Bäume voneinander getrennt. Die Häuser an sich sind durch eine steigende Verschmutzung sowie Verwahrlosung geprägt. Aus diesem Grund setzt bei manchen Bauten bereits ein schrittweiser Zerfallsprozess ein, welcher sich in einstürzenden Dächern und Stockwerken äußert. Durch den unveränderten Originalzustand von Prypjat und das geringe Eingreifen des Menschen, lässt sich der natürliche Verfall nahezu störungsfrei beobachten. Hiervon sind auch zahlreiche Touristen fasziniert, die jedes Jahr aufs Neue die dekontaminierten Gebiete des Ortes erkunden. In manchen Bereichen wird ebenfalls die Infrastruktur am Leben gehalten. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass der Strom und die wichtigsten Straßen bei einem etwaigen Zwischenfall im Kernkraftwerk Tschernobyl erhalten bleibt. Heutzutage wird darüber diskutiert, was mit Prypjat in Zukunft geschehen soll. Zahlreiche Menschen sind dafür, die Stadt unter Denkmalschutz zu stellen und diese als Mahnmal zu erhalten.
Quellen:
- Beitrag zu einer Fotoausstellung über Prypjat
- Webseite der Stadt Prypjat
- Blogbeitrag über "die radioaktive Geisterstadt"
